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Wiedernutzung von städtebaulichen Brachen und leerstehenden Gebäuden
Große Flächenpotentiale lassen sich durch die Umnutzung von Industrie- und Militärbrachen erschließen. Dies betrifft insbesondere die neuen Bundesländer, wo durch Schließung ganzer Produktionszweige und den Abzug der Sowjetischen Streitkräfte zahlreiche großflächige Industrie- und Militärbrachen entstanden sind. Hohe Bodenpreise, fehlende Verfügbarkeit über Grund und Boden sowie vorhandene Altlasten und Umweltauflagen erschweren jedoch deren Wiedernutzung. Bestandserfassung und Mobilisierung von Baulandreserven Zur Steuerung und Beobachtung der innerstädtischen Flächennutzung wird in Dessau, wie auch in den weiteren drei Modellstädten ein datengestütztes Berichtswesen ausgebaut. Der Baulückenkatalog bewährt sich als Instrument zur Mobilisierung von Baulandreserven. Er enthält detaillierte Angaben zu: Lage, Eigentumsverhältnissen, gegenwärtige Nutzung, Entfernung zu öffentlichen Einrichtungen, Altlasten und Erschließung. Um die Vermarktungschancen dieser Grundstücke und Gebäude zu erhöhen, wird der Katalog offensiv potentiellen Investoren angeboten. Fachliche Beratung zu den jeweiligen Standorten erhalten Interessenten darüber hinaus im Stadtplanungs-, Wirtschafts- und Grundstücksamt. Verstärkte Nutzung von Gewerbebrachen und Konversionsflächen Dessau orientiert auf den Vorzug der Revitalisierung von Gewerbebrachen und Konversionsflächen vor Ansiedlungen auf grüner Wiese. Hier greift eine Strategie, die vom Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt als beispielhaft hervorgehoben und als "Dessauer Weg" bezeichnet wird. Diese Strategie orientiert darauf, im Entstehen begriffene großflächige Brachen sofort einer neuen Nutzung zuzuführen, in dem die Stadt selbst Flächen käuflich erwirbt und nach Schaffung der erforderlichen Voraussetzungen (z.B. Erschließung, Parzellierung) zu günstigen Konditionen selbst wieder an Firmen verkauft. Beispiele der praktischen Umsetzung des "Dessauer Weges". Attraktivitätsgewinn der Innenstadt Der Büro- und Dienstleistungskomplex "Fürst-Leopold-Carré" und das Einkaufszentrum am Rathaus sind nur zwei Beispiele dafür, wie es der Stadt in den vergangenen Jahren gelungen ist, große Einkaufs- und Dienstleistungsangebote auf zentralen städtischen Flächen zu entwickeln und damit die Innenstadt insgesamt attraktiver zu gestalten. Zahlreiche Einzelvorhaben der Stadtreparatur wie der Wiederaufbau der Marienkirche, die Rekonstruktion der Orangerie im Georgium, die Sanierung der Bauhaus-Meisterhäuser oder der Wiederaufbau des Johannbaus sind Zeichen der Wertschätzung der vorhandenen Stadt, die Identifikation vermitteln und den Stolz der Bewohner auf ihre Stadt stärken. "Sich-Wohlfühlen in der eigenen Stadt" ist das beste Mittel gegen Stadt-Flucht und damit auch ein wesentliches Kriterium für Nachhaltigkeit. Die bevorstehende Ansiedlung des Umweltbundesamtes im ehemaligen Gasviertel zeugt von den Bemühungen der Stadt, nicht nur ihr historisches Erbe wiederherzustellen, sondern Arbeitsplätze mitten in der Stadt zu schaffen. Sanierungsgebiet Dessau-Nord Mit der behutsamen Erneuerung des gründerzeitlich geprägten Wohn- und Mischgebietes Dessau-Nord gelingt es, die kleinteilige Mischung von Wohnen, Versorgen und Arbeiten zu erhalten und die Innenstadt auch als Wohnstandort nachhaltig zu sichern. Die Sanierung schreitet sichtbar voran. Jede hier geschlossene Baulücke und sanierte Parzelle ist ein Beitrag zur Dämpfung des Bauens auf grüner Wiese. Im Bereich Angerstraße und Böhmische Straße konnten zwei ExWoSt-Objekte des flächen- und kostensparenden Bauens nach Entwürfen des finnischen Architekten Pertti Solla realisiert werden. Schultheiss-Brauerei Knapp 100 Jahre nach Errichtung des imposanten Industriekomplexes wurde die Dessauer Brauerei, ehemals Schultheiss-Brauerei, stillgelegt. Bis in die jüngste Zeit gehörte die Brauerei zu den größten Bierproduzenten Mitteldeutschlands. Seit 1997 engagiert sich ein Verein, in dem auch die Stadt Dessau vertreten ist, für die Neunutzung des noch weitgehend im Originalzustand erhaltenen Industriedenkmals. Nach ersten Plänen sollen die Gebäude mit Hilfe des Arbeitsamtes, des Bauhauses, der Hochschule Anhalt und der in Dessau ansässigen berufsbildenden Schulen vorerst gesichert und später saniert werden. Schlachthofviertel 1992, genau 100 Jahren nach seiner Gründung, wurde der Dessauer Schlachthof stillgelegt. Die Stadt Dessau orientiert nun auf eine Nachnutzung des Geländes und einzelner Gebäude durch Wohnen, Gewerbe und Einzelhandel. Die Sanierung der Gebäude und deren Umwandlung in Gewerbe- und Wohnungsstandorte erhält das Flair der Industrie-Architektur aus dem 19. Jahrhundert. Zugleich soll das teilweise brachliegende Gelände für den Bau der neuen Erschließungsstraße genutzt werden, die der Entlastung des Stadtteils Dessau-Nord vom gebietsfremden Verkehr dienen wird. Waldsiedlung Dessau-Kochstedt Die Waldsiedlung ist eine Entwicklungsmaßnahme der Stadt Dessau, um vorhandene Brachen und leerstehende Gebäude einer ehemaligen Kasernenanlage nachzunutzen Die 65 ha große Kasernenanlage liegt im Südwesten der Stadt, am Rande der Mosigkauer Heide, ca. 4 km vom Stadtzentrum entfernt. Unbestreitbare Qualität besitzt das Kasernengelände aufgrund seines reichen Baumbestandes. Als einer der ersten Schritte zur Revitalisierung des Gebietes entstanden hier mit einem Investitionsvolumen von 9,8 Millionen Mark 60 Sozialwohnungen im Bestand. Träger dieses Vorhabens war die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft. Zwei weitere Kasernenkomplexe konnten durch die Dessauer Handwerkerschaft und einen privaten Investor zu Eigentumswohnungen umgebaut werden. Beide Wege führen zu einer sozial gemischten Bewohnerschaft, die für das Land Sachsen-Anhalt Vorbildwirkung hat und die dazu beiträgt, dass die Waldsiedlung von den Dessauern sehr gut angenommen wird. Liegenlassen von innerstädtischen Brachen Trotz größter Anstrengungen der Stadt Dessau ist das Liegenlassen von innerstädtischen Brachen unvermeidbar. Die wichtigsten Gründe hierfür sind: Die Suche nach Lösungen für eine Revitalisierung innerstädtischer Brachen lässt sich in Dessau besonders anschaulich an den Beispielen Magnetbandfabrik, Waggonbau und am Beispiel des Musterquartieres "Lange Gasse" festmachen. Revitalisierung "Lange Gasse" Am Beispiel der "Langen Gasse" will die Stadt Dessau neue Wege zur Revitalisierung eines innerstädtischen Quartieres aufzeigen. Die Nachbarräume des Areals, die Zerbster Straße und das Rathaus-Center mit ihrem umfangreichen Handels- und Dienstleistungsangebot sowie wichtige öffentliche und halböffentliche Einrichtungen, wie Rathaus, Post und Kreditinstitute, bilden den Rahmen für die anzustrebende Neugliederung mit den künftigen Leitfunktionen Freizeit und Wohnen, flankiert durch Einzelhandelsnutzungen. In diesem Kontext neuer Strukturen kommt der Sanierung und Wiedernutzung der Schade-Brauerei eine Schlüsselfunktion zu. Angestrebt wird:
Revitalisierung des ehemaligen Waggonbaus Auf dem Gelände des ehemaligen Waggonbau Dessau mit einer Fläche von 35 ha waren bis 1989 etwa 3.500 Menschen beschäftigt. Sechs Jahre später arbeiteten nur noch ca. 1.000 Menschen am Standort. Im Juli 1995, ein halbes Jahr nach der Privatisierung durch die Treuhand, schloß der traditionsreiche Betrieb, der das Image der Stadt mitgeprägt hat. Daraufhin hat die Stadt als Hauptgesellschafter einer eigens gegründeten Industrie-parkgesellschaft 20 ha der Gesamtfläche übertragen bekommen. Im Rahmen einer konzertierten Aktion zwi-schen der Industrieparkgesellschaft, Firmengründern am Standort und der Stadt wurden in kurzer Zeit sämtliche Versorgungssysteme des einstigen Großbetriebes entflochten und kontaminierte Flächen saniert. Eine vollstän-dige Neuerschließung und -parzellierung erfolgte. Zu den wichtigsten Aufgaben der Industrieparkgesellschaft gehören ferner: Revitalisierung der ehemaligen Magnetbandfabrik Der Standort der ehemaligen Dessauer Magnetbandfabrik befindet sich im Gewerbegebiet Dessau-Mitte, einer historisch gewachsenen Industrie- und Gewerbeansiedlung. Das Gelände umfaßt eine etwa 350 ha große Flä-che, davon gehörten 48 ha zur Magnetbandfabrik. Dort arbeiteten bis 1989 2.050 Menschen. 1995 waren an die-sem Standort nur noch auf 280 Menschen beschäftigt. Bevor die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe er-folgen konnte, mußten große Flächen der ehemaligen Fabrik von der Stadt käuflich erworben werden, um nach der Schaffung von Baurecht erschlossene und baureife Grundstücke anbieten zu können. Vorhandene nicht mehr nutzbare Anlagen mußten abgebrochen, neue Erschließungsanlagen errichtet werden. Bereits nach zwei Jahren waren die ersten Ansiedlungen von Unternehmen, wie eines Betonfertigteilherstellers und einer Spezial-großbäckerei, erfolgreich. Der gegenwärtige Stand der Flächenvermarktung liegt bei 80%. 1998 arbeiteten am Standort der ehemaligen Magnetbandfabrik wieder ca. 820 Menschen.
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