"Im Glanz der Stadt
tanzt anonym
optisch matter
Taubenzauber."
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn Sie die Mensa des Vor-Ort-Hauses der Hochschule Anhalt im Gebäude der ehemaligen Volkshochschule in der Wolfgangstraße 13 besuchen, können Sie an einer Wand diesen lyrischen Satz bewundern, dessen Buchstaben aus Alltagsgegenständen aller Art geformt sind. Was unsere Studenten binnen kürzester Zeit in dem seit zwölf Jahren leer stehenden Gebäude auf die Beine gestellt haben, ist wirklich sehenswert. Schauen Sie einfach mal herein. Vielleicht ergibt sich dabei sogar eine Gelegenheit für Sie, das Projekt zu unterstützen.
Ich danke den Leuchttürmen für Bildung und Kultur und der “Quartiersoffensive Theater- und Johannisviertel - Wir kümmern uns" für ihre Initiative. Seit längerem gibt es Bemühungen, mit studentischen Projekten unsere Innenstadt zu beleben. Nach dem Vor-Ort-Laden in der Zerbster Straße konnte nun unter dem Motto “Raus aus dem Hörsaal - rein in die Stadt" das erste Vor-Ort-Haus in Angriff genommen werden. Es ist eine Freude zu erleben, mit welcher Begeisterung die Studenten bei der Sache sind, um mit Kreativität, Ideenreichtum und Spontanität einfach auszuprobieren, anzupacken, damit Leerstand zu begegnen und auch gleich noch zur Verjüngung des Viertels beizutragen.
Nicht minder großer Begeisterung bedarf die Umsetzung unseres Leitbildes “Die Bauhausstadt, in der die Moderne Tradition hat". Viel hat sich dabei schon bewegt, viel mehr ist aber noch zu bewegen, auf dem Wege zur Bauhausstadt. Das Bauhaus und seine Bauten sind unser besonderes und vor allem internationales Alleinstellungsmerkmal. Dessau-Roßlau ist die Stadt weltweit mit den meisten Bauhausbauten außerhalb Tel Avivs.
Deshalb begrüße ich auch die Initiative aus dem Stadtrat, die einen Entwurf für eine Ratsvorlage in die Abstimmung in die Fraktionen gegeben hat, die in einer Sondersitzung des Stadtrates beschlossen werden soll. Wie können wir möglichst viele Akteure mit auf den Weg zur Bauhausstadt nehmen? Wie können wir unsere Stadt 2019 zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus wirkungsvoll präsentieren?
Vorgeschlagen wird ein ganzes Paket von Maßnahmen, werden dem Stadtrat Entscheidungen vorgestellt, die er auf diesem Wege treffen sollte. Dazu sollte auch die Umbenennung des Namens der kreisfreien Doppelstadt gehören.
Wie so oft hatte auch dieser Entwurf keine Chance, in der gebotenen Sorgfalt bearbeitet und diskutiert zu werden. Er gelangte binnen kürzester Zeit in die Öffentlichkeit, wo er natürlich nicht in seiner Gänze und Komplexität diskutiert, sondern kurz und knapp auf einen einzigen Punkt gebracht wird: Am 30. Mai ändert die Stadt ihren Namen!
Es wird damit ein Druck aufgebaut, dem kaum einer widerstehen kann, zumal sich nun auch noch unmissverständlich die Wirtschaft zu Wort gemeldet hat: Ändert den Namen, dann wird schon alles gut.
Für einen in demokratischen Entscheidungsprozessen üblichen Austausch des Für und Wider bliebe somit keine Zeit, geschweige denn die Bürgerschaft mitzunehmen. Wir sind noch nicht die Bauhausstadt, in der Bauhaus gelebt, gedacht, gelitten wird. Wir können es aber werden, weil wir das Zeug dazu haben, den Verpflichtungen, die aus den Bauhauswerten erwachsen, gerecht zu werden. Das betrifft besonders die Qualität der Architektur und urbanen Kultur, der Lebensqualität, ja bis hin zu Wirtschaft, Forscher- und Unternehmergeist.
Wir diskutieren gerade darüber, welchen Part die kulturelle Bildung in unserer Stadt übernehmen kann, das Bauhaus und seine Ideen, die Bauhausstadt unserer Jugend nahe zu bringen, in die Herzen unserer Bürger einzupflanzen. Wir diskutieren darüber, wie es gelänge, dass das Alleinstellungsmerkmal Bauhaus nicht andere, wichtige Potenziale unserer Stadt erdrückt.
Mit dem Standortvorschlag Sieben Säulen haben wir endlich die Diskussion um das längst fällige Bauhausmuseum entfacht. Viel mehr ist noch denkbar. Stadt und Stiftung beraten gerade einen Kooperationsvertrag, um dem Weg zur Bauhausstadt noch mehr Koordinaten zu geben.
Nutzen wir also 2013 mit 800 Jahre Dessau, um die Bauhausstadt Dessau zu diskutieren.
Nutzen wir die Landesausstellung “Land der Moderne" im Jahre 2016, um die Vorreiterrolle der Bauhausstadt in Mitteldeutschland hervorzuheben.
Nutzen wir das Jubiläum 2019, damit sich unsere Stadt dann endgültig als die Bauhausstadt weltweit präsentieren kann.
Wenn uns dies alles gelingt, dann werden die Bürgerinnen und Bürger beiderseits der Elbe gewiss auch eindrucksvoll in einem Bürgerentscheid die Bauhausstadt Dessau mit ihrem neuen Namen bestätigen.
Ich wünsche uns allen einen herrlichen Wonnemonat Mai und freue mich auf die Premiere von Wagners "Götterdämmerung" am
12. Mai,
herzliche Grüße
Ihr
Klemens Koschig
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