Wissenschaftliche Bibliothek
Zerbster Straße 35
06844 Dessau-Roßlau
Lage im Stadtplan
Fon: 0340 / 21 47 34
E-Mail:
wissenschaftliche.bibliothek@
dessau-rosslau.de
|
Öffnungszeiten: |
|
Palais Dietrich
Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau hatte geplant, für seine drei jüngsten Söhne Moritz, Eugen und Dietrich Stadtresidenzen errichten zu lassen.
Die Stadtpalais für Moritz und Eugen wurden in den Jahren 1739/40 bzw. 1740/41 gebaut, das Palais für Dietrich erst 1747 - 1752.
Nach dem Tod des Fürsten Dietrich 1769 ging das Gebäude in den Besitz des Fürsten Franz über, der es ab 1777 bis 1793 erst teilweise und später völlig dem Philanthropin zur Verfügung stellte.
1793 ging das Haus in den Besitz der Prinzessin Henriette Amalie über, die aber noch im gleichen Jahr starb. Das Haus blieb jedoch Sitz der von ihr gegründeten Amalienstiftung.
Deren Gemäldesammlung konnte aber erst nach 1815 im Obergeschoss untergebrachte werden. 1927, nach der Überführung der Gemälde in die neu errichtete Anhaltische Gemäldegalerie, wurde auch das Obergeschoss in Wohnungen umgebaut.
Als eines der wenigen historischen Häuser überstand das Palais Dietrich den 2. Weltkrieg fast unbeschadet und wurde nach dem Krieg vom Friedrichsgymnasium, später von der Oberschule "Philanthropinum" genutzt.
Nach 1950 gab es wechselnde Nutzer - das "Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" (bis 1962), die Betriebsberufsschule des VEB Waggonbau (bis 1972), das Kreis-Jugend-Klubhaus "Majakowski" (bis 1986).
Ab 1987 wurde das Haus rekonstruiert, um die Bestände der ehemaligen Landesbücherei, heute Wissenschaftliche Bibliothek der Anhaltischen Landesbücherei Dessau aufzunehmen.
Die Anhaltische Landesbücherei Dessau mit ihren wertvollen historischen Beständen beteiligt sich Jahr für Jahr mit Leihgaben an Ausstellungen im In- und Ausland. Auch in diesem Jahr sind wieder Handschriften und gedruckte Bücher aus der Wissenschaftlichen Bibliothek in verschiedenen Expositionen zu sehen.
Begonnen hat das aktuelle Ausstellungsjahr mit der Ausstellung „Arkadien. Ein europäischer Traum“ von Februar bis April in der Anhaltischen Gemäldegalerie, in der 24 Bücher, vorwiegend aus dem Bestand der Hofbibliothek, zu sehen waren.
Momentan ist auf der Burg Querfurt die Ausstellung „Der heilige Brun von Querfurt. Friedensstifter und Missionar in Europa“ zu sehen. Bei Recherchen stießen die Ausstellungsmacher auf zwei Lebensbeschreibungen des Heiligen Brun, die der Forschung über den 973 oder 974 auf der Burg Querfurt geborenen Brun bisher entgangen waren. Eine der spätmittelalterlichen Handschriften aus dem Bestand der Dessauer Bibliothek wird nun in der Ausstellung unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, neben Leihgaben aus Polen, Ungarn, Tschechien und Deutschland bis zum 20. Dezember präsentiert.
Nach den sich zu Publikumsmagneten entwickelten großen Ausstellungen der vergangenen Jahre im Kulturhistorischen Museum Magdeburg (u. a. „Otto der Große. Magdeburg und Europa (2001), „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (2006)) beschäftigt sich die diesjährige Landesausstellung Sachsen-Anhalt mit dem 800. Domjubiläum und zeigt unter dem Titel „Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit“ vom 31. August bis zum 6. Dezember ca. 200 hochrangige Denkmäler der Geschichte und Kultur der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In dieser Ausstellung werden zwei bedeutende mittelalterliche Handschriften aus der Bibliothek des Fürsten Georg III. von Anhalt (1507-1553) zu sehen sein. Die beiden repräsentativen Prachthandschriften (Sommer- und Winterteil) wurden als Kalender für den Zyklus des Kirchenjahres (Liber ordinarius) des Magdeburger Doms zu besonderen Anlässen genutzt. Die Handschriften sind um 1490 im Auftrag des Magdeburger Dompropstes, des Fürsten Adolf von Anhalt, entstanden. Im Sommerteil ist das Pfingstwunder, das in einer Architektur mit den beiden Patronen des Magdeburger Doms, dem heiligen Mauritius und der heiligen Katharina, in einer ganzseitigen Miniatur (Buchmalerei) dargestellt (s. Abb.).
Den weitesten Weg wird ein kleines Büchlein aus dem Jahr 1844 zurücklegen, dass in einer Ausstellung im Caixa-Forum im Palma de Mallorca anlässlich des 200. Jahrestages des Beginns der Gefangenschaft napoleonischer Kriegsgefangener auf der Insel Cabrera zu sehen sein wird. Es handelt sich um das in Zerbst gedruckte Werk „Der spanische Feldzug des Bataillons Anhalt im Jahre 1810“ von Ludwig Zeidler. Cabrera (auch Illa de Cabrera, „Ziegeninsel“) ist eine der kleineren zu Spanien gehörenden Balearischen Inseln und befindet sich südlich von Mallorca in einem Felsinsel-Archipel. Während des Spanischen Unabhängigkeitskrieges (1807 bis 1814) wurde auf der unbewohnten Insel ab 1809 ein Internierungslager für Gefangene eingerichtet. Unter den 12.000 Kriegsgefangenen auf der Insel befanden sich auch anhaltische Soldaten; viele von ihnen haben die lange und harte Gefangenschaft auf der Insel nicht überlebt. Die Ausstellung unter dem Titel „Olvidados en Cabrera. Doscientos años del cautiverio napoleónico“ findet von Oktober bis Anfang Januar 2010 statt und soll im Anschluss evtl. noch in Frankreich gezeigt werden.
Vielleicht begegnet ja der eine oder andere Leser des Amtsblattes im Urlaub einem Exponat aus seiner Heimatstadt. Da zu den drei Ausstellungen auf der Burg Querfurt, in Magdeburg und in Palma Ausstellungskataloge erscheinen, die dann natürlich in den Bibliotheksbestand eingehen, kann man sich auch in Nachhinein in aller Ruhe noch einmal mit den Themen befassen.
Martine Kreißler
Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek
der Anhaltischen Landesbücherei Dessau
„Sonderverpackung“ 
Wenn ein wertvolles Buch auf Reisen geht, wird es auch besonders verpackt. Das Transportbehältnis ist eine gesicherte Thermo-Kiste, in dem Ausstellungsobjekt sicher und geschützt vor zu hohen Temperaturen und Erschütterungen von einem Kurier transportiert wird.