Sonderausstellung in der Orangerie am Schloss Georgium
Bereits zum dritten Mal ist die namhafte Sammlung SØR Rusche zu Gast in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau. Nachdem in vergangenen Jahren die Landschafts- und Genremalerei präsentiert wurde, steht nun die Gattung der Stillleben im Mittelpunkt. Die niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts veranschaulichen die Entwicklung dieser Bildgattung in allen Facetten und mit Werken von herausragenden Vertretern ihres Faches.
Die niederländischen Meister verhalfen dem Stillleben zu einer einzigartigen Blütezeit, wie sie in diesem Maße nicht wieder erreicht wurde. Große Wertschätzung erfuhren sie nicht nur wegen der malerischen Virtuosität und Brillanz, mit der die Gegenstände als Augentäuschungen wiedergegeben wurden. Der Betrachter sollte neben der Freude über die Pracht des Dargestellten und über die Illusion der Malerei auch eine dezent mahnende Botschaft erfahren: Hinter jedem Gegenstand kann eine symbolische Bedeutung stehen, insbesondere die Warnung vor dem jederzeit drohenden Ende des Lebens - dem memento mori.
Die niederländischen Stillleben stellen trotz ihrer Wirklichkeitsnähe keinen unmittelbaren Alltagsbezug her. Sie sind künstlich arrangiert und ermöglichen dennoch einen authentischen Einblick in die häusliche Welt und Kultur der Niederlande.
Spannend ist die Begegnung der Alten Malerei mit Kunst der Gegenwart. In den letzten Jahren hat die Generation junger Maler - insbesondere die der Neuen Leipziger Schule - das klassische Stillleben für sich entdeckt. Daher liegt es nahe, Werke dieser Künstler in einen Dialog mit den Stillleben der Alten Meister treten zu lassen. Dabei werden nicht nur die inzwischen erfolgten Veränderungen der Bildkonzeptionen deutlich. Zum Erstaunen des Betrachters finden sich auch viele Berührungspunkte, sowohl formaler wie auch inhaltlicher Natur.
Neuartig ist eine Entfremdung, eine Irritation, ein geänderter Kontext, der durch das Arrangement der Gegenstände sowie die Farb- und Lichtkomposition erzielt wird. Und neu ist zudem, dass dem Betrachter auch Requisiten des Alltagslebens begegnen, die kennzeichnend für die einschneidenden Veränderungen der Lebensweise und Kultur in der heutigen Zeit sind. Damit ist wiederum ein Berührungspunkt gegeben: Es geht nicht nur um die Dinge selbst, sondern um eine Sinnhinterfragung der Lebensführung.
„Die Sprache der Bilder“ - Niederländische Stillleben der Sammlung SØR Rusche im Dialog mit Kunst der Gegenwart - vom 26. Oktober 2008 bis 11. Januar 2009 in der Orangerie am Schloss Georgium.